„[…] Für eine deutsche oder europäische Öffentlichkeit hat die Analyse [von Großwald] zwei zentrale Implikationen: Deutschland und Nordeuropa sind logistischer und operativer Schwerpunkt: Steadfast Dart 26, Steadfast Foxtrot 26, Quadriga‑Verbundübungen und die Rolle Deutschlands als „Drehscheibe“ für Verlegungen („Military Schengen“) verdeutlichen, dass die Bundesrepublik militärisch wie politisch immer stärker zum Kernraum der NATO‑Kriegsführungsplanung in Europa wird. Dauerhafte Normalisierung von Hochintensitätskrieg als Planungsmaßstab: Die beschriebenen Übungsserien – von Arctic Sentry bis Eastern Sentry – signalisieren, dass NATO‑Staaten einen längeren Zeitraum permanenter Hochspannung einkalkulieren, in dem großangelegte Landkriege, Cyber‑Operationen und Luft‑ und Seeschlachten nicht mehr als Ausnahme, sondern als zu planender Normalfall gelten. Eine kritische Lesart würde daher zwei Fragen stellen, die der Artikel offenlässt: Wie werden demokratische Kontrolle, parlamentarische Mitsprache und gesellschaftliche Debatten mit dieser neuen Normalität der Dauerübungen und Dauerpräsenz Schritt halten? Wo verlaufen für europäische Gesellschaften rote Linien, jenseits derer Abschreckung in eine kaum noch kontrollierbare Eskalationslogik umschlägt? […]“
Zypern tagt, Europa übt: Die stille Militarisierung der EU im Schatten des Irankriegs
Von Wolfgang Effenberger
29.04.2026
Erstmals in der Geschichte der EU fand vom 23.–24. April 2026 ein Gipfel auf Zypern statt. Einen Tag vorher berichtete die taz unter dem Titel „Nur 180 Kilometer vom Krieg entfernt“ über die prekäre Sicherheitslage, in der der Gipfel stattfindet: „Eine strikte Sperrzone für die Schifffahrt rund um den Jachthafen, Straßensperrungen, ein totales Flugverbot für Drohnen im ganzen Land: Die Sicherheitsvorkehrungen für das EU-Meeting sind drakonisch“. Der Grund: Am 2. März explodierte eine Schahed-Drohne auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri in Zypern – mutmaßlich von der Hisbollah aus dem Libanon abgefeuert. Der Artikel betont, dass Zypern als „südöstlicher EU-Außenposten einen enormen Bedeutungszuwachs erhalten“ hat – „geopolitisch, geostrategisch und geoökonomisch“.(1) Auf dem Gipfel, der durch seinen informellen Charakter auffiel, wurden keine bindenden Beschlüsse gefasst. Die Tagesschau fasste es treffend zusammen: Die EU wirkt beim Iran-Krieg „vergleichsweise hilflos“.
Weiterlesen: we29.4.2026
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Siehe auch:
Die erste Militärstrategie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Russland ist für die deutsche, europäische und transatlantische Sicherheit auf absehbare Zeit die größte und unmittelbare Bedrohung.
29.04.2026
https://afsaneyebahar.com/2026/04/29/20706999/
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Die vorhersehbare kriegerische Katastrophe in Deutschland
24.04.2026
https://afsaneyebahar.com/2026/04/24/20706981/
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Die Logik globaler Konflikte
Michael Meyen spricht mit dem Publizisten und Historiker Wolfgang Effenberger über aktuelle geopolitische Entwicklungen und deren historische Hintergründe. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen:
- Wie entstehen internationale Konflikte?
- Welche Rolle spielen Geschichte und politische Narrative?
- Welche Entwicklungen prägen die globale Ordnung der Zukunft?
Wolfgang Effenberger verbindet persönliche Erfahrungen mit intensiver Recherche und bietet eine besondere Perspektive auf sicherheitspolitische Themen, internationale Beziehungen und historische Zusammenhänge. Themen:
- Geopolitik und internationale Konflikte
- Historische Entwicklungen seit dem 20. Jahrhundert
- Sicherheitspolitik und globale Strategien
- Rolle von Staaten und internationalen Netzwerken
- Zukunft der internationalen Ordnung
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Weitere Schriften von Wolfgang Effenberger
https://wolfgangeffenberger.com/index.php
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