Panik in Kiew: Russland wendet in der Ukraine eine neue Taktik an
„Russland setzt eine neue Taktik ein“ – westliche Medien greifen Selenskijs Warnungen auf. Doch war diese Entwicklung wirklich eine russische Überraschung? Werfen wir einmal einen Blick auf die widersprüchlichen Aussagen Kiews, Putins Ankündigungen und die Frage, wer mit der Eskalation tatsächlich die „Büchse der Pandora“ geöffnet hat.
Von Wladimir Kornilow
07.10.2026
„Russland setzt eine neue Taktik ein“ – das verkünden derzeit zahlreiche Schlagzeilen der westlichen Medien. Die Hauptquelle dieser Meldungen ist das Oberhaupt des Kiewer Regimes höchst persönlich, welches in verschiedenen Gesprächen davon erzählt, sein Aufklärungsdienst hätte irgendwelche geheimen russischen Informationen abgefangen. Aus den zusammenhangslosen Interviews der letzten Tage, die Wladimir Selenskij der Financial Times (FT) und Reuters gab, erfahren wir, dass die Russen sich im Rahmen dieser neuen Taktik nun nicht mehr „an die Regeln der Kriegsführung halten“ und angeblich „zivile Ziele angreifen“ würden.
Unglaublich! Das bedeutet also, dass Selenskij selbst und auch die westlichen Medien, die seine Erklärungen unterstützt haben, zugeben, dass Russland sich bislang streng an die Regeln gehalten und Angriffe auf zivile Objekte vermieden hat? Dieses Eingeständnis ist an sich schon einiges wert! Vor allem, da wir nicht außer Acht lassen dürfen, dass die Ukraine seit 2014 unaufhörlich Schulen, Krankenhäuser, Strände, Wohnhäuser und Museen beschossen hat.
Amüsanterweise enthält die Analyse von Selenskijs Aussagen in der FT einen entsprechenden verbalen Patzer:
„Die russische Kampagne erfolgte in Reaktion auf die ukrainischen Angriffe gegen Ölraffinerien, Häfen und Lagerhäuser im russischen Hinterland.“
Dabei unterschlug die Zeitung die tödlichen Angriffe auf Kinder in Starobelsk sowie die Konsequenzen anderer barbarischer Angriffe gegen rein zivile Objekte in Russland. Die westliche Presse bevorzugt es, nicht darüber zu schreiben.
Es ist schwer zu sagen, was Selenskij „abgefangen“ haben will, doch seine lauthalsigen Interviews erschienen unmittelbar nachdem Wladimir Putin direkt und in aller Öffentlichkeit eben jene neue Taktik verkündet hatte, welche die westlichen Medien momentan als eine neue Enthüllung präsentieren.
Bei seinem Auftritt im Rahmen des Waldai-Diskussionsklubs erklärte der russische Präsident, dass wir viele industrielle Objekte der Ukraine in der Tat als zivile Ziele eingestuft und von Angriffen gegen sie bislang abgesehen haben.
„Wir greifen nun Objekte an, die wichtig für ihre Wirtschaft sind. Wir waren nicht diejenigen, die damit angefangen haben. Und jetzt gestehen sie selbst, dass sie keine Metallindustrie mehr haben“, berichtete Putin. Welche geheimen Daten hat Selenskij da also „abgefangen“? Etwa das digitale Signal des öffentlichen russischen Fernsehens?
Übrigens erinnerte Putin ebenfalls daran, dass wir auch mit Beginn der systematischen Kampagne gegen ukrainische Infrastruktur weiterhin die Regeln der Kriegsführung einhalten und ausschließlich Dual-Use-Infrastrukturobjekte angreifen, die im Interesse der ukrainischen Rüstungsindustrie eingesetzt werden. Er betonte ausdrücklich:
„Wie Sie sehen, waren wir gezwungen, symmetrisch zu reagieren. Und wie es scheint war unsere Reaktion recht spürbar für diejenigen, die diese Büchse der Pandora geöffnet haben.“
Für Selenskij wäre es also ganz treffend, unsere neue Taktik als einen „Spiegel der Pandora“ zu betrachten. Wobei die Pandora hier von ihm selbst verkörpert wird.
Weiterlesen: https://de-rtnews.com/meinung/293870-panik-in-kiew-russland-wendet/
PDF: wk07102026
******
Siehe auch:
Die alte Weltordnung ist vorbei – die neue gibt es noch nicht
Teil 1: Von der UN-Generalversammlung zur nuklearen Drohung um Kaliningrad: Europas Sicherheitsordnung am Scheideweg
Teil 2: Von der UN-Generalversammlung über Iran und Kaliningrad bis zur NATO-Nordflanke: Wie aus Abschreckung eine gefährliche Eskalationsdynamik werden kann
Von Wolfgang Effenberger
30.09.2026 und 05.10.2026
******
Verantwortung für die Zukunft: Grenzen des Möglichen oder grenzenlose Möglichkeiten?
Rede des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, auf der Plenarsitzung des 23. jährlichen Treffens des Waldai-Diskussionsklubs vom 28.09. bis 01.10.2026
01.10.2026
******
China, Russland und der Kampf um Eurasien
Ryan Perkins im Gespräch mit Pascal Lottaz (Neutrality Studies)
02.10.2026
******
Buchvorstellung: Rasende Zerstörung. Wirtschaftliche, politische und psychosoziale Folgen der Kriegsvorbereitung
Herausgeber: Klaus-Jürgen Bruder (†), Almuth Bruder-Bezzel (†), René Kirschey, Benjamin Lemke, Conny Stahmer-Weinandy
Mit Beiträgen von: Rudolph Bauer, Eva Borst, Almuth Bruder-Bezzel (†), Klaus-Jürgen Bruder (†), Günther Burbach, Wolfgang Bittner, Eugen Drewermann, Wolfgang Effenberger, Magda von Garrel, Annette Groth, Hannes Hofbauer, Wolfgang Krieger, Benjamin Lemke, Karin Leukefeld, Michael Schneider, Manfred Sohn, Conny Stahmer-Weinandy, Günter Rexilius, Werner Rügemer, Ursula Vogt und Norbert Wohlfahrt
Erstauflage August 2026, Promedia Verlag, Wien
******
Buchvorstellung: Kampf der Giganten. Warum China und Russland die globale Vorherrschaft der USA ablehnen
Von Daniele Ganser
Erstauflage September 2026, Westend Verlag, Neu-Isenburg
******
Hinweis: Die Veröffentlichung der vorliegenden Beiträge dient der politischen Meinungsbildung und freien Meinungsäußerung gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes:
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.