Der Iran setzt sich seit langem für eine Region ohne Massenvernichtungswaffen ein
In den Ländern des Mittleren und Nahen Ostens sieht man sämtliche Instrumente der Interventionspolitik des Westens
Interview mit Karin Leukefeld, freie Journalistin und Nahost-Expertin
Das Interview wurde am 09.07.2026 geführt.
Veröffentlichung: Zeitgeschehen im Fokus; Ausgabe 11/12 2026; 16.07.2026
Zeitgeschehen im Fokus Die letzten Tage sind von Unsicherheit geprägt, was die Entwicklung im Nahen Osten betrifft. Wie war der Ablauf?
Karin Leukefeld Erst wurde bombardiert, dann meldete sich Trump zu Wort und drohte, den Iran zu zerstören. Anschließend erklärte er, das Memorandum habe keinen Bestand mehr. Wenige Stunden später – auf dem Rückflug in die USA – hörte sich das schon wieder ganz anders an. Der Iran habe ihn angerufen, die Iraner wollten unbedingt ein Friedensabkommen. Es würde zwar nicht viel bringen, weil die Iraner «verrückt» seien, doch seiner Ansicht nach könne man weiterreden. Von einem Ende des Memorandums war keine Rede mehr.
Brachte das Memorandum eine Beruhigung in der Region?
Es ist bereits über vier Wochen alt. Das ist darum erwähnenswert, weil die Entwicklung in der Region rasant ist. Was gestern noch galt, ist heute völlig über den Haufen geworfen, wie man aktuell sieht. Dieses Memorandum hat zunächst dazu geführt, dass der Waffenstillstand, der am 8. April vereinbart worden war, fortgesetzt und im Memorandum-Text bestätigt wurde.
Im Memorandum sind 14 Punkte aufgelistet, die in den nächsten zwei Monaten – die Rede ist von 60 Tagen – in einzelnen Gesprächsrunden technisch und wirtschaftlich geklärt werden sollen. Das heisst, es gibt ein Arbeitsprogramm. Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung, weil beide Seiten damit sagen, dass die Kriegsphase ein Ende haben und es zu weiteren Verhandlungen kommen soll.
Weiterlesen (PDF): kl09072027
„ […] Gibt es eine Perspektive, wie man trotz den komplizierten Verhältnissen zu einem Frieden kommen könnte?
Mit einer aktiven Diplomatie in der Persischen Golf-Region. Die Straße von Hormuz liegt in den Händen von Iran und Oman. Die Sache des Persischen Golfs liegt bei den Anrainerstaaten: Irak, Kuweit, Saudi-Arabien, Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar. Iran und Oman versuchen aktiv, die arabischen Staaten um den Persischen Golf herum einzubeziehen. Der Vorschlag ist die Bildung einer Sicherheitskonferenz. Das ist ein Plan, den Russland vor ungefähr 10 Jahren eingebracht hatte.
Der Iran spielte damals eine sehr aktive Rolle und leistete unterstützende Friedenspolitik in der Region. Eine Kampagne für den Frieden in der Persischen Golf-Region verfolgt der Iran seit langem. In der Uno-Vollversammlung setzt der Iran sich immer wieder für eine Region frei von Massenvernichtungswaffen ein: keine Atombomben, keine chemischen oder biologischen Waffen. Die Forderung hat Iran schon vor dem Irakkrieg 2003 bei der Uno eingebracht.
Die USA und der Westen knüpfen nicht daran an, sondern suchen nach Trennendem. Die USA wollen einen «amerikanischen Korridor» für den Transit durch die Straße von Hormuz. Iran sagt: Nein. Das ist ein Punkt, auf dem Iran ganz klar besteht. Hier bewegt sich kein Schiff, das nicht von Oman oder Iran kontrolliert worden ist. […]“
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Siehe auch:
Die Straße von Hormus: Juristische Perspektiven in einer Ära der Rechtslosigkeit
21.04.2026
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Zur Erinnerung: Israel und die Atombombe
Dokumentationen
31.03.2026
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Für einen atomwaffenfreien Nahen Osten
Das Parlamentarische Netzwerk für Nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung hat eine gemeinsame Erklärung für einen Nahen Osten frei von Atomwaffen und allen anderen Massenvernichtungswaffen verfasst. Parlamentarier weltweit sind dazu aufgerufen das Dokument zu unterzeichnen und sich so für einen atomwaffenfreien Nahen Osten einzusetzen.
2.9.2012
https://www.pnnd.org/de/article/f%C3%BCr-einen-atomwaffenfreien-nahen-osten
Gemeinsame Parlamentarische Erklärung für einen Nahen Osten frei von Atomwaffen und allen anderen Massenvernichtungswaffen
Als Abgeordnete aus dem Nahen Osten und anderen Regionen unterstützen wir das Ziel einer Zone im Nahen Osten, die frei von Atomwaffen und allen Massenvernichtungswaffen ist;
Wir bekräftigen die unterstützende Rolle der Vereinten Nationen bei der Entstehung einer solchen Zone, im Einklang mit den Prinzipien und Richtlinien für die Einrichtung atomwaffenfreier Zonen, die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen gebilligt wurden;
Wir begrüßen die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen seit 1980 jährlich im Konsens verabschiedete Resolution mit der Bekräftigung, dass die Einrichtung einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten international den Frieden und die Sicherheit sehr fördern würde;
Wir betonen die Bedeutung umfassender Friedensverhandlungen im Nahen Osten als geeigneten Rahmen für die friedliche Lösung strittiger Fragen und zur Förderung der nationalen und regionalen Sicherheit in der Region;
Wir begrüßen alle Initiativen im Zusammenhang mit allgemeiner und vollständiger Abrüstung, einschließlich in der Region des Nahen Ostens, und betonen, wie wichtig Fortschritte bei der Kontrolle konventioneller Waffen und bei der Abschaffung von Massenvernichtungswaffen, einschließlich Atomwaffen, sind.
Wir loben die Führung, die der Generalsekretär der Vereinten Nationen mit der Ausarbeitung eines Fünf‐Punkte‐Vorschlags für nukleare Abrüstung gezeigt hat, der u.a. die Einrichtung atomwaffenfreier Zonen, das Inkrafttreten des Umfassenden Teststoppabkommens, den Abschluss eines Vertrags über Spaltmaterialien und Verhandlungen über die weltweite Abschaffung von Atomwaffen mittels einer Nuklearwaffenkonvention oder eines Bündels von Vereinbarungen umfasst.
Wir begrüßen besonders, dass der Generalsekretär der Vereinten Nationen einen Vermittler ernannt hat, der Beratungen mit den Staaten der Region führen und Vorbereitungen treffen soll für die Abhaltung einer Konferenz über die Einrichtung einer atom‐ und massenvernichtungswaffenfreien Zone unter Beteiligung aller Staaten des Nahen Ostens;
Wir rufen alle Regierungen– insbesondere die Regierungen des Nahen Ostens und die Atommächte – auf, in redlicher Absicht mit dem Vermittler der Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten, um den Weg für die Konferenz und darauf folgende Verhandlungen über die Einrichtung einer atom‐ und massenvernichtungswaffenfreien Zone zu bereiten;
Wir begrüßen vorläufige Maßnahmen zur Vertrauensbildung, die den Prozess zur Einrichtung einer atom‐ und massenvernichtungswaffenfreien Zone unterstützen; dazu gehören auch die Unterstellung sämtlicher atomarer Einrichtungen unter Sicherungsmaßnahmen der IAEO und die vollständige Einhaltung der Chemiewaffenkonvention und der Biowaffenkonvention.
Wir ermutigen alle Länder des Nahen Ostens, bis zur Einrichtung dieser Zone keine Atomwaffen zu entwickeln, herzustellen, zu testen oder auf andere Weise zu erlangen oder keine Stationierung von Atomwaffen oder atomaren Sprengkörpern auf ihrem Hoheitsgebiet oder auf Hoheitsgebieten unter ihrer Kontrolle zu erlauben.
Wir rufen alle Abgeordnete und Parlamente auf, die Einrichtung einer Zone frei von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen aktiv zu fördern.