Ausflug der toten Mädchen. Von Daniel Sandmann (29.04.2026)

Bild: Mädchenschule in Minab am 28. Februar 2026, Foto: Mehr News Agency, CC BY 4.0
Quelle: Ausflug der toten Mädchen. 

„[…] Schwarze Milch der Frühe. Von dieser Milch hat Paul Celan geschrieben. Und im Grunde müsste ich da weiterschreiben, wenn ich von den schwarzen Tüchern spreche, unter denen die Mädchen von Minab liegen. Da kann ich aber nicht weiterschreiben. Niemand kann es. Und es ist auch nicht nötig, etwas neu zu setzen. Der Tod ist immer noch auch ein Meister aus Deutschland, ja. Aber er ist — und im Grunde war das damals nicht anders — ein Meister der Westzivilisation überhaupt. […]“

In seinem Artikel vom 29.04.2026 bezieht sich Daniel Sandmann auf das folgende Gedicht von Paul Celan:


Todesfuge

https://www.lyrikline.org/de/gedichte/todesfuge-66


Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends

wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts

wir trinken und trinken

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland

dein goldenes Haar Margarete



er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne

er pfeift seine Rüden herbei

er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde

er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz



Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends

wir trinken und trinken

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland

dein goldenes Haar Margarete

Dein aschenes Haar Sulamith



wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng



Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt

er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau

stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf



Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends

wir trinken und trinken

ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete

dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen



Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland

er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft

dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng


Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts

wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland

wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken

der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau

er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau

ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete

er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft

er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland


dein goldenes Haar Margarete

dein aschenes Haar Sulamith

 

 

Ausflug der toten Mädchen

Die jüngsten Ereignisse von Epstein bis zu bombardierten Mädchenschulen machen deutlich: Die Welt versinkt in einem Irrsinn, den man kaum mehr in Worte fassen kann und der einen sogar von denen entfremdet, die man zuvor als Verbündete sah.

Von Daniel Sandmann

29.04.2026

Die öffentlichen Äußerungen derjenigen, die sich an der Seite Israels und der USA wähnen, werden immer absurder, immer konstruierter. Das ist nicht verwunderlich, denn die Wirklichkeit macht es ihnen schwer, an ihrem Standpunkt festzuhalten und gleichzeitig ihr Gesicht zu wahren. Das betrifft nicht nur diejenigen, die ohnehin schon immer mit kriegsverliebten Aussagen auffielen. Auch von denen, die in der Coronazeit als Widerständler, Freiheitskämpfer, mutige und integre Querdenker auftraten, stellen sich viele lieber gegen alles, was auch nur islamisch anmutet, und verpassen dadurch, zu erkennen, wer Täter und wer Opfer ist, genauso wie es ihre Gegner während des Ausnahmezustands versäumten. Man fragt sich: Schimmert zwischen all dem ein Sinn hindurch oder müssen wir uns damit abfinden, dass in grausamen Zeiten die Sprache und mit ihr die Fähigkeit, sinnhafte Narrative zu spinnen, an ihre Grenzen gerät? Grenzen, wie sie etwa von Paul Celan in seinen Gedichten über die Schoah eingefangen wurden.

Weiterlesen: https://www.manova.news/artikel/ausflug-der-toten-madchen

PDF: ds29042026

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Siehe auch:

Die Mitschuld der Schweigenden

07.04.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/04/07/20706721/

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Eine Verhandlungslösung für einen souveränen Iran ist nahezu unmöglich

Von Alastair Crooke

02.05.2026

https://tkp.at/2026/05/02/eine-verhandlungsloesung-fuer-einen-souveraenen-iran-ist-nahezu-unmoeglich/

„[…] Der israelische Militärsoziologe Yagil Levy argumentiert jedoch in einem Beitrag in Haaretz, dass sich Israels Verhalten nach den Angriffen vom 7. Oktober deutlich verändert habe und in der Folgezeit durch die „Annahme einer ‚harten‘ Version der permanenten Sicherheit“ geprägt sei … Letztere wurde [tatsächlich] als bereits erreicht angesehen [durch] militärische Überlegenheit und internationale Toleranz“.

„Relative permanente Sicherheit, die ‚weiche‘ Version, wurde [im Gegensatz] zu einem Überbleibsel des Sicherheitskonzepts gesehen, das den [7. Oktober]-Angriff der Hamas ermöglichte – auch wenn der Angriff durch eine israelische Unterlassung verursacht wurde und keine neue reale Bedrohung darstellte“.

„Permanente Sicherheit“ – ein ursprünglich vom Historiker Professor Dirk Moses geprägter Begriff – wurde in Israel nach dem 7. Oktober nicht nur als Mittel zur Beseitigung unmittelbarer Bedrohungen angesehen, sondern auch zukünftiger:

„Das Streben nach einer dauerhaften Lösung lässt keine Kompromisse zu, weder politischer noch abschreckender Art, sondern beinhaltet vielmehr die Auslöschung, Vertreibung oder Kontrolle einer Bevölkerung, die als Bedrohung für die Sicherheit des Staates wahrgenommen wird“.

(Professor Dirk Moses hat dargelegt, dass der Begriff „permanente Sicherheit“ tatsächlich von Otto Ohlendorf stammt, „einem Nazi-Kriegsverbrecher, der, bevor er … in Nürnberg von den Amerikanern gehängt wurde, [sagte, dass] … jüdische Kinder zu partizanischen Feinden herangewachsen wären … [und dass wir] verstehen müssten, dass die Deutschen nicht nur normale Sicherheit, sondern permanente Sicherheit wollten: Sie bauten ein tausendjähriges Reich auf“). […]“

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Ein aktueller Bericht aus dem Libanon – Israel bombt noch immer …

Von Karin Leukefeld

28.04.2026

Redaktion von Global bridge: Karin Leukefeld ist trotz aller dortigen Gefahren wieder nach Beirut gereist und beobachtet jetzt dort mit eigenen Augen und im direkten Gespräch mit Einheimischen und Geflüchteten, was da vor sich geht. Was klar ist: Israel versucht nicht zum ersten Mal, Teile des Libanon für die Einheimischen unbewohnbar zu machen und sich diese Regionen für immer anzueignen. Dutzende von Hilfsorganisationen sind im Einsatz, aber eine friedliche Lösung ist nicht in Sicht. Und die Welt schaut zu und lässt Israel seine grandiosen Expansionspläne mit Waffengewalt weiterführen.

https://globalbridge.ch/ein-aktueller-bericht-aus-dem-libanon-israel-bombt-noch-immer/

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Israel wendet die „Gaza-Doktrin“ im Libanon und im Iran an

Während der Krieg der USA und Israels gegen den Iran andauert und die Hisbollah eine zweite Front im Libanon eröffnet hat, ist Gaza zum neuen Modell dafür geworden, wie asymmetrische Kriege geführt werden.

Von Faris Giacaman

19.03.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/03/19/20706453/

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Bundeskanzler Friedrich Merz im ZDF-Interview vom 17.06.2025 über den Angriffskrieg Israels gegen den Iran: 

Interviewerin: „Ist es nicht sehr verlockend, dass die Israelis jetzt die Drecksarbeit machen für ein Regime, das sehr viele in der Welt als einen wirklich großen Störfaktor wahrnehmen?“

Friedrich Merz: „Frau Zimmermann, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff Drecksarbeit. Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle. Wir sind von diesem Regime auch betroffen. Dieses Mullah-Regime hat Tod und Zerstörung über die Welt gebracht, mit Anschlägen, mit Mord und Totschlag […] Ich kann nur sagen: größten Respekt davor, dass die israelische Armee den Mut dazu gehabt hat, die israelische Staatsführung den Mut dazu gehabt hat, das zu machen.“

Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/g7-gipfel-merz-100.html

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USA: Gefährlicher Abstieg – die Gegenbewegung hat begonnen

Interview mit dem Kölner Publizisten Werner Rügemer über die Nationale Sicherheitsstrategie der USA und ihre Umsetzung in Europa, im Nahen Osten, im Fernen Osten und im Ukraine-Krieg. Weiterhin wollen die USA auf jedes Land der Welt, auf jede Organisation und jede Person zugreifen können, aber ihre Macht wackelt.

Felicitas Rabe interviewt Dr. Werner Rügemer

02.05.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/05/03/20707039/

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Mittelbau-Dora

21.04.2015

https://afsaneyebahar.com/2015/04/21/mittelbau-dora-20247367/




Nach dem Besuch des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora wurde dieser Text verfasst. Unter Leitung von Wernher Freiherr von Braun wurde dort das vernichtende Nazi-Raketenprogramm realisiert. Braun arbeitete später für die Raumfahrtentwicklung der USA. Ca. 20 000 Menschen starben im Zusammenhang mit diesem Konzentrationslager.




In dieser beklemmenden Dunkelheit

in dieser erlahmenden Kälte

in dieser erstickenden Enge

schreist du im Siegesrausch

dass du ein Meister bist

aus Deutschland

der alles nimmt

was sich nach Leben sehnt

der alles vernichtet

was nach Menschlichkeit riecht

 

Du bist ein Meister

nicht nur aus Deutschland

und die Vergesslichkeit

ist eine Volkskrankheit

nicht nur in Deutschland

und die Ignoranz

ist eine Seuche

nicht nur in Deutschland

und eine mögliche Wiederholung

ist eine Konsequenz

nicht nur in Deutschland

 

Vergiss jedoch nicht

dass die Mutter Erde

von unzählig vielen Menschen

verehrt wird