„[…] Die ausschließliche Konzentration auf geopolitische Aspekte verschleiert einen systemischen Wandel, der sich außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung vollzieht. Ein eskalierender Konflikt mit dem Iran birgt ein massives Risiko eines anhaltenden Ölpreisanstiegs. […] […] Historisch gesehen fanden große Umwälzungen in den Währungssystemen oft in Krisenzeiten statt. Kriege, Finanzkollapse und geopolitische Schocks schaffen die Bedingungen, unter denen zuvor undenkbare Maßnahmen plötzlich möglich werden. In Notlagen werden normale Beschränkungen ausgesetzt, was Regierungen und Zentralbanken ermöglicht, Finanzstrukturen auf eine Weise neu zu ordnen, die in stabilen Zeiten politisch unmöglich wäre. […] […] Diese Beispiele veranschaulichen auch ein allgemeineres Prinzip: Politische Macht wird in modernen Gesellschaften zunehmend über die Infrastruktur ausgeübt und nicht mehr durch offene Gesetzgebung. Zahlungssysteme, Abwicklungsnetzwerke und Finanzprotokolle bestimmen, welche wirtschaftlichen Handlungen möglich sind und welche nicht. Da diese Systeme technischer Natur und für die Öffentlichkeit weitgehend unsichtbar sind, lösen Änderungen an ihnen selten jene politische Kontrolle aus, die formelle politische Entscheidungen begleitet. Doch sobald eine solche Infrastruktur einmal vorhanden ist, legt sie effektiv die Parameter fest, innerhalb derer zukünftige Politik agieren muss. In diesem Sinne ist der Aufbau digitaler monetärer Schienen nicht bloß eine technologische Aufrüstung; es ist die Schaffung eines neuen Feldes der wirtschaftlichen Steuerung. […] […] Während der COVID-Pandemie druckte die Federal Reserve Billionen von Dollar und leitete diese über die von BlackRock im Sommer 2019 entwickelte „Going Direct“-Strategie weiter. Die heute neu regulierte Krypto-/Stablecoin-Infrastruktur (Kraken auf Fedwire, Stablecoins in Geldmarktfonds) ähnelt einem digitalen „Going Direct“: Die Fed könnte digitale Dollar-Wallets direkt gutschreiben. Sie könnte Ausgabebeschränkungen auferlegen, die Nutzung auf bestimmte Sektoren beschränken oder sogar Negativzinsen auf überschüssiges digitales Bargeld erheben, um Ausgaben zu erzwingen. In dieser Hinsicht ist BlackRocks jüngste (6. März) Beschränkung von Auszahlungen höchst bezeichnend. Es gibt eine weitere Dimension dieser Transformation, die weit weniger Beachtung findet: die Aufwertung von Bitcoin von einem spekulativen und dezentralen Vermögenswert zu einer anerkannten Sicherheit. […] […] All dies verwandelt einen wahrscheinlich langwierigen Krieg im Nahen Osten von einem rein geopolitischen Kampf – einem Regimewechsel im Iran – in den Auslöser für einen historischen finanziellen Regimewechsel. Während die Bomben auf fremdem Boden fallen, vollzieht sich die Transformation im Code des Geldes selbst. Ein geopolitischer Konflikt, ein Energieschock und ein finanzieller Wandel könnten zu einem einzigen systemischen Ereignis zusammenlaufen. Die Krise würde nicht nur außerordentliche Interventionen rechtfertigen, sondern auch die Form bestimmen, die diese Interventionen annehmen. Die digitale Infrastruktur, die derzeit aufgebaut wird, könnte sich daher als die monetäre Architektur erweisen, über die die nächste Phase des Krisenmanagements abgewickelt wird.“
Die programmierte Krise: Der Iran und der Wandel des Finanzsystems
Der nächste wirtschaftliche Abschwung wird nicht einfach durch das Drucken von mehr Geld bewältigt werden. Er wird direkt in das Geld selbst einprogrammiert sein.
Von Prof. Fabio Vighi
17.3.2026
Der nächste wirtschaftliche Abschwung wird nicht einfach durch das Drucken von mehr Geld bewältigt werden. Er wird direkt in das Geld selbst einprogrammiert sein. Große geopolitische Krisen spielen sich selten nur auf der Ebene der Militärstrategie ab. Sie gestalten auch die wirtschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen neu, durch die Gesellschaften gesteuert werden. Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich auf das sichtbare Drama des Konflikts, während sich tiefgreifendere finanzielle und monetäre Veränderungen weitgehend außerhalb der politischen Debatte vollziehen.
Die ausschließliche Konzentration auf geopolitische Aspekte verschleiert einen systemischen Wandel, der sich außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung vollzieht. Ein eskalierender Konflikt mit dem Iran birgt ein massives Risiko eines anhaltenden Ölpreisanstiegs. Etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung wird über die Straße von Hormus transportiert. Ein größerer Konflikt, der diesen Engpass unterbricht, würde rasch zu einem globalen Energieschock führen.
Weiterlesen:
Englischer Originalartikel:
https://propagandainfocus.com/the-programmable-crisis-iran-and-the-financial-regime-change/
PDF (Englisch + Deutsch): fv17.3.2026
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Siehe auch:
Force Majeure
Die »Dunkle Aufklärung« bestimmt das Handeln der angloamerikanischen Polit-Mafia. Das dokumentierte ich bereits im Mai 2025. Dank des Iran-Konflikts leidet nun aber auch der Rest der Welt unter den Folgen dieser totalitären Herrschaftsphilosophie. Folgend eine Analyse des Status quo – und eine Prognose bezüglich langfristiger Implikationen.
Von Tom-Oliver Regenauer
3.4.2026
https://www.regenauer.press/force-majeure
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Lawrows Erklärung und Antworten auf Fragen der Medien
15.4.2026
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Alle werden von der globalen existenziellen Krise betroffen sein
Erst wenn wir uns selbst verändern, werden wir jenseits des Konflikts einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ erblicken. Eine Rückkehr zum früheren Leben und zu den früheren Wertvorstellungen nach dieser Bewährungsprobe ist unmöglich. Die Zukunft ist für niemanden garantiert, vor uns liegt Ungewissheit, doch das ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.
Von Igor Karaulow
16.4.2026
PDF: ik16.4.2026
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USA brauchen Europa nicht weniger als umgekehrt – Euro-Eliten haben Blut geleckt
Die Vereinigten Staaten haben durch ihre Entscheidungen der letzten Wochen ihren europäischen Verbündeten Vorteile verschafft, die diese nun nutzen dürften. Die größte Schwäche Washingtons: Es ist selbst am stärksten daran interessiert, seine Präsenz in Europa aufrechtzuerhalten.
Von Timofei Bordatschow
16.4.2026
Timofei Bordatschow ist ein russischer Politikwissenschaftler und Experte für internationale Beziehungen sowie Direktor des Zentrums für komplexe europäische und internationale Studien an der Fakultät für Weltwirtschaft und Weltpolitik der Higher School of Economics Moskau. Unter anderem ist er Programmdirektor des Internationalen Diskussionsklubs Waldai.
PDF: tb16.4.2026
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Iran: Vorhersehbares Scheitern der Verhandlungen, gravierende Folgen
Von Peter König
14.4.2026
Englischer Originalartikel:
https://www.globalresearch.ca/iran-predictable-breakdown-negotiations-grim-consequences/5922292
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Bluffe niemanden, der nicht aussteigen kann
Von Arnaud Bertrand
9.4.2026
https://afsaneyebahar.com/wp-content/uploads/2026/04/ab9.4.2026.pdf
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48. Tag im Angriffskrieg von Israel und USA gegen Libanon und Iran
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka
16.4.2026
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Iran: Der Feind, den sich der Westen selbst geschaffen hat
Seit Jahrzehnten stellen die westlichen Mächte den Iran als eine inhärente Bedrohung dar. Doch wie wurde dieses Narrativ konstruiert, ausgenutzt und schließlich in eine sich selbst erfüllende geopolitische Realität verwandelt?
Von Patrick Ringgenberg
13.4.2026
https://afsaneyebahar.com/2026/04/13/20706825/
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Zwei Gegebenheiten sind vielen Menschen in Deutschland nicht geläufig: Erstens: Nach Punkt 3 des Notenwechsels des Auswärtigen Amtes mit den westlichen Stationierungsstreitkräften vom 25.09.1990 kann die Bundesrepublik Deutschland den entsprechenden Aufenthaltsvertrag unter Einhaltung einer Frist von zwei Jahren beenden.(7)(8) Zweitens: Artikel Nr. 13 des Nordatlantikvertrags (NATO-Vertrag) vom 4. April 1949 besagt: „Nach zwanzigjähriger Gültigkeitsdauer des Vertrages kann jeder vertragschließende Staat aus dem Verhältnis ausscheiden, und zwar ein Jahr nach Erklärung seiner Kündigung gegenüber der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, die den Regierungen der anderen vertragschließenden Staaten die Niederlegung jeder Kündigungserklärung mitteilen wird.“(9) Quelle: https://afsaneyebahar.com/2026/03/15/20706386/