«Unser Bild vom Iran ist das Ergebnis von über 40 Jahren US-amerikanischer Desinformation» Interview mit Jacques Baud (17.3.2026)

 

„[…] Die ersten Angriffe am Samstag kamen von den Israelis. Dabei haben sie Khamenei getötet, und die Amerikaner trafen eine Schule, in der sich rund 160 Kinder befanden. Das ist für die Israelis und die Amerikaner nichts Ungewöhnliches: Seit Beginn ihrer Offensive wurden 13 Krankenhäuser und fast 65 Schulen bombardiert. […]“

„[…] Alles deutet darauf hin, dass das Vorgehen Israels und der USA eher das Ergebnis einer impulsiven Entscheidung mit einem kurzfristigen Ziel ist als eine sorgfältig kalkulierte Aktion. Man sieht, dass sich die Amerikaner heute in einer Situation befinden, die vorhersehbar gewesen ist, die sie aber nicht vorhergesehen haben. […] Wie immer glauben die Kommentatoren, dass unsere Staats- und Regierungschefs strategische Denker sind. Das ist falsch. Es sind impulsive Menschen, die mehr ihrem Bauchgefühl als ihrem Verstand folgen. 

Der israelisch-amerikanische Angriff wurde sowohl von künstlicher Intelligenz als auch von natürlicher Dummheit geleitet.“

 

«Unser Bild vom Iran ist das Ergebnis von über 40 Jahren US-amerikanischer Desinformation»

Interview mit Jacques Baud

Zeitgeschehen im Fokus, Ausgabe 5/6 2026

17.3.2026

 

Jacques Baud hat einen Master in Ökonometrie und ein Nachdiplomstudium in internationaler Sicherheit am Hochschul­institut für internationale Beziehungen in Genf absolviert und war Oberst der Schweizer Armee. Er arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst und war Berater für die Sicherheit der Flüchtlingslager in Ost-Zaire während des Ruanda-Krieges, arbeitete unter anderem für die Nato in der Ukraine und ist Autor mehrerer Bücher über Nachrichtendienste, asymmetrische Kriegsführung, Terrorismus und Desinformation.

 

Zeitgeschehen im Fokus Die Gründe für den Angriff Israels und der USA auf den Iran reichen von «den Bau der Atombombe verhindern», bis zu einem «Regime Change». Was wollen Israel und die USA tatsächlich erreichen?

Jacques Baud Es gibt viele Gründe, die auf komplexe Weise miteinander verbunden sind. Um dies zu verstehen, muss man wahrscheinlich zwischen den tieferen Gründen und den Vorwänden unterscheiden.

In den USA gibt es eindeutig eine Obsession gegenüber dem Iran, die sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten zu finden ist und die mit der islamischen Revolution von Ayatollah Khomeini im Jahr 1979 begann. Die Amerikaner haben den Sturz des Schahs und – vor allem – die Besetzung ihrer Botschaft in Teheran durch iranische Studenten und den darauffolgenden katastrophalen Rettungsversuch durch Spezialeinheiten im April 1980 (Operation EAGLE CLAW) nicht verziehen.

Bei Israel ist dieses Phänomen jüngeren Datums und geht auf die frühen 2000er Jahre zurück, als die USA 2003 in den Irak einmarschierten. Die israelische Sicherheitspolitik wird von dem 1982 von Oded Yinon ausgearbeiteten Plan beeinflusst, der darauf abzielte, die großen sunnitischen Nachbarländer Israels zu spalten, damit sie durch interne Konflikte gelähmt würden.

In den 1980er- und 1990er-Jahren war der Feind Israels der Irak, der enge Beziehungen zur PLO von Yassir Arafat unterhielt. Zu dieser Zeit war der Iran nicht Teil dieses Plans, da Israel ihn eher als Verbündeten betrachtete. Der Iran ist das große schiitische Land der Region, und Israel betrachtete ihn daher eher als Verbündeten, der geografisch gesehen im «Rücken» seiner sunnitischen Gegner liegt.

Israel ist für sein Überleben stark vom Westen abhängig. Es ist ihm nie wirklich gelungen, sich in sein regionales Umfeld zu integrieren. Seine wiederholten Militäroperationen gegen alle seine Nachbarn sowie seine illegalen Gebietserwerbungen im Libanon, in Syrien und Jordanien haben zusammen mit der Missachtung internationaler Konventionen in Bezug auf das palästinensische Volk dazu geführt, dass Israel von seinem natürlichen Umfeld abgekoppelt ist.

Andererseits braucht Israel Feinde, um seine sehr vielfältige nationale Einheit und die internationale Finanzhilfe aufrechtzuerhalten. Nachdem der Irak zerstört worden war, wählte Israel denselben «besten Feind» wie die USA: den Iran.

Weiterlesen: https://zgif.ch/2026/03/17/unser-bild-vom-iran-ist-das-ergebnisvon-ueber-40-jahren-us-amerikanischer-desinformation/

PDF: JB17.3.2026

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Siehe auch:

Europa baut den Sanktionsstaat

Pascal Lottaz (Neutrality Studies) im Gespräch mit Oberst Jacques Baud

16.2.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/02/18/20706148/

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US- und NATO-Basen in Deutschland und ihre Konsequenzen für Frieden und Sicherheit

Wichtige Erkenntnisse aus dem laufenden Angriffskrieg gegen den Iran

15.3.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/03/15/20706386/

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Warum der Iran den Krieg bereits gewonnen hat

Von Patrick Ringgenberg

(Assoziierter Forscher, IHAR, an der Universität Lausanne in der Schweiz)

8.3.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/03/09/20706277/

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Das Imperium verliert die Kontrolle – Konsequenzen

Wird die komplette Fehleinschätzung der USA zum Untergang von Israel und zum Verlust der Machtposition der USA im Nahen Osten führen?

Peter Hänseler

15.3.2026

https://afsaneyebahar.com/2026/03/17/20706417/

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Iran has always been the target of invaders and has outlived them all

For Iranians, the current assault is part of a much longer history in which repeated invasions have tested the country’s civilisation but never succeeded in breaking it

By Hamid Dabashi

March 17, 2026

https://afsaneyebahar.com/2026/03/17/20706426/

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Zionism’s biggest mistake in 300 years. End of project.

Prof. Jeffrey Sachs, Prof. Yakov Rabkin & Prof. Pascal Lottaz

For decades Israel pretended to be an innocent country established after the horrors of the holocaust for the protection of the Jews. Turns out, it was all a lie. The zionist project is much older and has little to do with the wishes of the Jews when it was established. Inherently a christian doctrine, Zionism was always a plan to resettle the jews of Europe even against their will and to dominate West Asia in the process. Today, Prof. Jeffrey Sachs and Prof. Yakov Rabkin are discussing the past and the future of a racist settler-colonial political project that has become so violent in the past decade that the entire world now sees it for what it is. An irredeemable political sin.

March 16, 2026

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