Was sich in Israel in den letzten drei Jahren zugetragen hat, wird von der Bevölkerung kaum noch diskutiert. Wie erklärt sich das? Von Moshe Zuckermann (14.3.2026)

Deckerinnerung als Politpraxis

Was sich in Israel in den letzten drei Jahren zugetragen hat, wird von der Bevölkerung kaum noch diskutiert. Wie erklärt sich das?

Von Moshe Zuckermann

14.3.2026

 

Der Begriff Deckerinnerung stammt aus der Psychoanalyse, besonders aus den Arbeiten von Sigmund Freud. Er beschreibt eine scheinbar unwichtige oder banale Erinnerung aus der Kindheit, die tatsächlich eine andere, emotional bedeutsame oder verdrängte Erinnerung “verdeckt”. Verdeckt werden soll die bedeutsame Erinnerung wegen ihres dem Erinnernden unangenehmen bzw. unerträglichen Inhalts.

Der Begriff lässt sich nicht ohne weiteres auf kollektive Erinnerungen übertragen, und doch kann man Verdeckungspraktiken auch bei Kollektiven nachweisen. In der Soziologie hat sich dafür der Begriff der Ideologie etabliert, welcher in der marxistischen Tradition auch mit dessen negativen Deutung als “falsches Bewusstsein” einhergehen mag. Dabei kann Ideologie als bewusste, aber auch als eine sich gleichsam “von selbst” ergebende Manipulation des Bewusstseins wirken; beide sind mit den Kategorien der Rationalisierung, der Schutzbehauptung und der Rechtfertigung verschwistert. Ziel ist dabei das Verdrängen bzw. das Vergessen des Unangenehmen oder auch narzisstisch Kränkenden, wobei Manipulierende und Manipulierte sich wechselseitig beeinflussen.

Denkt man etwa an das erste Jahrzehnt der alten Bundesrepublik, so stach das Beschweigen des Zweiten Weltkriegs, mithin der Shoah, hervor. Sich in der wirtschftswunderlichen Normalität schnell einlebend, konnte man allerlei deckerinnernde Narrative annehmen, sprach bald vom “anderen Deutschland”, apostrophierte die NS-Zeit als geschichtlichen “Betriebsunfall” oder gab schlicht vor, von nichts gewusst zu haben. Verdeckt wurde dabei, Margarete und Alexander Mitscherlich zufolge, die sogenannte Unfähigkeit (der Deutschen) zu trauern, was – entgegen dem common sense – die Unfähigkeit, sich vom Faschismus zu verabschieden meinte, der bei sehr vielen innerlich noch nachwirkte, äußerlich jedoch illegitim und politisch inakzeptabel war.

Weiterlesen: https://overton-magazin.de/top-story/deckerinnerung-als-politpraxis/

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Siehe auch:

Epstein-Regime im Endzeit-Krieg

Von Mathias Broeckers

14.3.2026

https://www.broeckers.com/2026/03/14/epstein-regime-im-endzeit-krieg/

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Israel – vom Opfer zum Täter zum Opfer – ein Hin und Her seit 80 Jahren

Von Peter Hänseler und René Zittlau

November – Dezember 2023

https://afsaneyebahar.com/2026/03/10/20706283/

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Wonnen der Normalisierung

Je katastrophaler sich Israels Realität gestaltet und strukturiert, desto intensiver verbreitet sich das Muster der Normalisierung all dessen, was im Staat nicht mehr stimmt.

Von Moshe Zuckermann

30.8.2025

https://afsaneyebahar.com/2025/08/30/20704826/

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Die vergessenen Palästinenser

Die Geschichte der Palästinenser in Israel

Von Ilan Pappé

2025

https://afsaneyebahar.com/2025/03/29/20703790/

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Israel nach dem 7. Oktober: Zwischen Entkolonialisierung und Zerfall

Von Ilan Pappé

7.10.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/10/09/20702102/

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