Foto von Herrn Mohsen Daschti
Blickwechsel
Lyrik, 2025
Einleitung
Wir verweilen in einem Raum
mit vielen Wänden.
Jede Wand hat zahlreiche Fenster
zum Empfangen und zum Senden.
Jeder öffnet ein Fenster zum Licht,
verfasst dann sein eigenes Gedicht.
Wenn wir Blicke und Gedichte
redlich zusammenführen,
werden wir gemeinsam
die Wahrheit eher berühren.
֎
Menschen neigen oft dazu, nur das zu erkennen, was ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Doch gerade in jenem Blick, der zunächst fremd erscheint, liegt das Potenzial für ein tieferes Verständnis, das über Grenzen hinausreicht. Die Gedichtsammlung Blickwechsel ist eine Einladung, die eigene Betrachtungsweise zu erweitern.
Meinen Blick nahm ich mit
in die helle Lichtung des Waldes
und tauchte mit ihm ein
in den berauschenden Bach
überlaufend von kristallreinem Wasser.
Dann ließ ich ihn schweben im Wind,
beladen mit Düften aus nahen und fernen Feldern,
und sich vollsaugen mit dem Licht
der Sonne und der Sterne.
Diesen Blick nahm ich mit.
Gereinigt
– nicht berechnend wie ein Krämer,
nicht bestimmend wie ein Tyrann,
nicht verlangend wie ein Süchtiger,
nicht bettelnd wie ein Schwacher,
nicht fordernd wie ein Gläubiger,
nicht verurteilend wie ein Richter,
nicht beurteilend wie ein Käufer –
öffnete er mir,
suchend, fragend,
fühlend, mitfühlend,
erkennend, lernend,
Fenster und Türen.
Begegnungen beheimaten,
wenn die Betrachtung des anderen Wesens
auf der Suche nach Erkenntnis
sich versenkt
in die Schönheit der Unvollkommenheit,
in die Wertschätzung des Vergänglichen,
in den Herzenstakt des Mitfühlens und Mitleidens,
in Freude und Trost
Schöpfen und Schenken.
֎
Gedichte öffnen Fenster zum Innenleben des Dichters. Jeder Mensch, der in einer intensiven Beziehung zu seiner Umwelt steht, wird in seiner Entwicklung unweigerlich vom Zeitgeschehen beeinflusst. Deshalb sind alle folgenden Gedichte mit einem Datum versehen. So kann besser nachvollzogen werden, unter welchen Bedingungen diese Texte im Jahr 2025 in Deutschland entstanden sind.
Diese Sammlung soll die Menschen zum Nachdenken und zum Frohsinn einladen, Zuversicht verbreiten und Brücken bauen.
Weiterlesen: Blickwechsel
******
