„[…] Russland steht heute als Pol der Souveränität in einer Welt, die sich vom liberal-globalistischen Dogma löst. Das westliche Projekt einer "Weltregierung", die von Technokraten, transnationalen Konzernen und NGOs geführt wird, ist ins Stocken geraten. Es kann globale Herausforderungen nicht lösen, es kann die Völker nicht inspirieren, es kann nicht einmal seine eigene Einheit bewahren. Das Pendel schwingt zurück in Richtung nationaler Souveränität und kultureller Authentizität. Deshalb fürchten die liberalen Eliten Russland; nicht nur wegen seiner militärischen Macht, sondern weil es ihr moralisches Monopol ablehnt. Wir verteidigen Werte, die der Westen einst hatte: Familie, Glaube, Würde, historische Kontinuität, die natürliche Bindung zwischen Eltern und Kindern, das Recht auf eigene Kultur und Nationalität. Das sind keine "konservativen" Werte, sondern menschliche Werte. […]“
Der Westen hat seine Seele verloren – Russland will seine behalten
Nach einer Phase eines ideologischen Vakuums steht Russland an der Schwelle zu einem großen historischen Zyklus. Um diese Schwelle zukunftsweisend zu überschreiten, bedarf es keiner neuen Ideologie, sondern eines neuen Traums, der Russland eint und die richtigen Lehren aus der Vergangenheit und Gegenwart zieht.
Von Pawel Maljutin und Sergei Karaganow
6.11.2025
Dieser Artikel wurde erstmals von Russia in Global Affairs veröffentlicht und vom RT-Team übersetzt sowie redigiert. Pawel Maljutin ist Forschungspraktikant am Institut für Weltwirtschaft und Strategie, Zentrum für integrierte europäische und internationale Studien der Wirtschaftshochschule Moskau (Higher School of Economics – HSE) Professor Sergei Karaganow ist Ehrenvorsitzender des Russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik und akademischer Leiter der Fakultät für Internationale Wirtschaft und Außenpolitik der Wirtschaftshochschule Moskau (Higher School of Economics – HSE).
Russland befindet sich heute an einem zivilisatorischen Wendepunkt. Nach Jahrzehnten des ideologischen Vakuums stehen wir erneut vor der zentralen Frage: Wer sind wir, und wohin gehen wir?
Unser außenpolitisches Konzept erkennt offiziell an, was die Geschichte längst offenbart hat: dass Russland nicht nur eine Nation, sondern ein Zivilisationsstaat ist. Dennoch halten viele Russen immer noch an einer überholten westlichen Identität fest und ignorieren die Lektion, die Alexander Newski uns gelehrt hat: dass eine einseitige Ausrichtung auf den Westen nicht nur naiv, sondern auch tödlich für unsere Souveränität ist.
Die Wurzeln Russlands liegen in den Wäldern und Steppen des Nordostens. Unsere Gegenwart und Zukunft liegen in der eurasisch-pazifischen Welt und nicht in der erschöpften Nachahmung Europas, wo die Eliten verfallen, oder im turbulenten postliberalen Amerika, das darum kämpft, sich neu zu definieren. Unser Schicksal bestimmen wir selbst.
Um dieses Schicksal zu erfüllen, braucht Russland mehr als Macht und Widerstandsfähigkeit. Es braucht einen vereinigenden Traum. Keine bürokratische Ideologie, sondern eine lebendige nationale Idee, die die Bürger inspirieren, die Politik leiten und unsere Zivilisation in der kommenden multipolaren Ära verankern kann.
Nationen entstehen nicht ohne Träume. Von Peter dem Großen und seiner Modernisierungsmission über die Transsibirische Eisenbahn bis hin zur sowjetischen Industrialisierung, dem Sieg von 1945 und dem Weltraumzeitalter – Russland hat sich durch großartige Projekte weiterentwickelt, die von einem gemeinsamen Glauben an unsere Zukunft beflügelt wurden.
Weiterlesen:
PDF: PMSK6.11.2025
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