Der iranische Phönix wird auch diesmal aufsteigen (27.3.2026)

Der iranische Phönix wird auch diesmal aufsteigen

Die Vernichtung des kulturellen Erbes Irans im Rahmen des laufenden Angriffskriegs der USA, Israels und ihrer Verbündeten entlarvt die tiefgründige Heuchelei des „Wertewestens“.

Von Amir Mortasawi

27.3.2026

Gemälde der iranischen Künstlerin Mahshid Shoorangiz

Eine der perfiden Methoden zeitgenössischer Kriegsführung ist die Entwurzelung der Menschen. Die physische Zerstörung des kulturellen Erbes anderer Völker geht oft Hand in Hand mit der Behinderung der geistigen Entwicklung des eigenen Volkes. Beides dient demselben Zweck: Die Beeinträchtigung des historischen Gedächtnisses macht Menschen empfänglicher für Manipulation, Kontrolle, Entmündigung und Irreführung.

Bis in die Neuzeit hinein galt das ungeschriebene Recht, wonach der militärische Sieger den Unterlegenen durch Verwüstung Demütigung und Schwächung zufügt. Erst das Bewusstsein um die Einheit und Einzigartigkeit der abendländischen Kultur – später erweitert auf das kulturelle Erbe aller Völker – trug dazu bei, die Idee des schützenswerten, international bedeutsamen Kulturguts zu etablieren. Allmählich fand diese Sicht Eingang in das Kriegsvölkerrecht.

Trotz zahlreicher Versuche, eine umfassende völkerrechtliche Konzeption des Kulturgüterschutzes zu etablieren, kam es sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg zu verheerenden Zerstörungen. Erst nach 1945 erhielten solche Bestrebungen durch die Gründung der UNESCO neuen Auftrieb.(1) Die Haager Konvention entstand aus der Erkenntnis, dass Kulturgüter in Kriegssituationen oftmals erheblichen Schaden erleiden – insbesondere mit fortschreitender Kriegstechnik. Die Überzeugung, dass jede Schädigung von Kulturgut – unabhängig vom Eigentümer – eine Schädigung des kulturellen Erbes der gesamten Menschheit bedeutet, trug zur Weiterentwicklung und teilweisen Ablösung früher geltender Rechtsnormen bei. Dazu zählen das Haager Abkommen über das Landkriegsrecht (1899/1907) sowie der Roerich-Pakt von 1935 über künstlerische und wissenschaftliche Einrichtungen und Denkmäler.

Nach jahrelangen Vorarbeiten entstand 1954 die Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.(2) Sie wurde von zahlreichen Staaten unterzeichnet, darunter die USA, Israel und Iran. Die Bestimmungen der Konvention wurden durch zwei Protokolle von 1954 bzw. 1999 ergänzt.(3)(4) Die heutige Verantwortung liegt darin, diese Verpflichtungen ernst zu nehmen und jedem Angriff auf Kulturgüter entschieden entgegenzutreten.

Der Angriffskrieg der USA, Israels und ihrer Verbündeten gegen den Iran richtet sich gegen die Zivilbevölkerung, wie die bisherigen Angaben über die Schäden zeigen. In den ersten vier Wochen nach dem 28.2.2026 wurden 85.000 zivile Gebäude, 282 medizinische Einrichtungen und 600 Schulen bombardiert.(5)(6) Offen sichtbar wendet Israel die „Gaza-Doktrin“ – mit all den Verwüstungen und Verelendung – im Libanon und im Iran an.(7) Dies wird allerdings in deutschen Medien zumeist verschwiegen. Eine effektive Kritik durch den „Wertewesten“ bleibt aus.

Ein weiterer Aspekt der laufenden Kriegsverbrechen der USA, Israels und ihrer Verbündeten ist die Bombardierung des nationalen Kulturerbes Irans.(8) Zeugen der rund 5.000 Jahre alten Geschichte, der Landschaft der iranischen Kunst und Architektur sowie archäologischer Stätten wurden beschädigt. Unter anderem wurde der Golestan-Palast in Teheran, UNESCO-Weltkulturerbe, in Mitleidenschaft gezogen.(9)

Für die Iraner gehört der gegenwärtige Angriffskrieg zu einer viel längeren Geschichte wiederholter Invasionen. Sie alle konnten jedoch die Zivilisation des Landes nicht zerbrechen. Die Alexander-Invasion des vierten Jahrhunderts v. Chr. beendete das Achämenidenreich. Die arabische Eroberung des siebten Jahrhunderts zerrüttete das Sassanidenreich. Turken- und Mongoleninvasionen folgten, jede mit ihren eigenen Wendungen. Die afghanische Invasion von 1722 brachte das Safawidenreich zu Ende. Russische Vorstöße in den Iran dauerten vom 18. bis ins 19. Jahrhundert. 1941 folgte die sowjetisch-britische Besetzung des Irans, dann der irakische Krieg mit dem Iran von 1980–1988.

Jede dieser Invasionen wurde zu einem Brennpunkt, der neue Meisterwerke der Literatur, Kunst, Architektur und Technik hervorbrachte. Der iranische Phönix wird auch den gegenwärtigen Angriffskrieg überstehen und zu neuer Blüte finden.

 

Anmerkungen

(1) https://www.unesco.de/

(2) https://afsaneyebahar.com/wp-content/uploads/2026/03/haager-konvention-1954.pdf

(3) https://afsaneyebahar.com/wp-content/uploads/2026/03/1.-protokoll-1954.pdf

(4) https://afsaneyebahar.com/wp-content/uploads/2026/03/2.-protokoll-1999.pdf

(5) https://anti-spiegel.ru/2026/die-usa-und-israel-haben-im-iran-bisher-85-000-zivile-gebaeude-282-medizinische-einrichtungen-und-600-schulen-bombardiert/

(6) https://tkp.at/2026/03/26/27-tag-im-angriffskrieg-israels-und-der-usa-gegen-den-iran-ticker-0830-uhr/

(7) https://afsaneyebahar.com/2026/03/19/20706453/

(8) Siehe hierzu:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/iran-krieg-unesco-welterbe-zerstoerung-kultur-100.html

https://www.dw.com/de/angriffe-usa-israel-unesco-welterbest%C3%A4tten-iran-krieg-trump-hegseth-kulturerbe-kriegsverbrechen/a-76393809

https://www.middleeasteye.net/news/these-heritage-sites-iran-have-been-damaged-us-israeli-war

https://www.aljazeera.com/news/2026/3/17/are-the-us-and-israel-waging-war-on-irans-cultural-heritage

(9) https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/im-irankrieg-wurde-unter-anderem-das-weltkulturerbe-golestanpalast-in-teheran-beschaedigt-110851725.html