„Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf“. Reflexionen zur Konferenz des Schiller-Instituts vom 12./13. Juli 2025. Von Wolfgang Effenberger (25.7.2025)

„[…] Frau Helga Zepp-Larouche beleuchtete eingangs ihrer Rede den von Friedrich Schiller häufig verwendeten Begriff des "punctum saliens". Mit ihm beschrieb Schiller in den Dramen und in der Geschichte jeweils den Zeitpunkt, an dem sich alles unaufhaltsam in Bewegung setzt.

Laut Frau Zepp-LaRouche können diese Punkte ohne Wiederkehr in Bezug auf die Geschichte genau bezeichnet werden: „wann es zum Beispiel zu spät war, den 1. oder 2. Weltkrieg noch zu verhindern“. In Bezug auf die unmittelbar vor uns liegende Zukunft würden mannigfaltige Unwägbarkeiten diese Einsicht trüben, „wenn sie zur Gewissheit wird, dass es zum Dritten, und diesmal letzten globalen und diesmal nuklearen Krieg kommt, ist es zu spät. Die Menschheit, und damit unsere Geschichte, wird ausgelöscht.“

Wir würden derzeit den Untergang der Weltordnung erleben, wie sie sich nach dem 2. Weltkrieg und dann noch einmal in modifizierter Form nach dem Ende des Kalten Krieges herausgebildet hat. […]“

„[…] Frau LaRouche sieht diesen Richtungswechsel nicht zuletzt in der Wolfowitz-Doktrin, die die Führungsrolle der USA in einer neuen unipolaren Weltordnung konsolidieren sollte. „Danach behalten sie sich das Recht vor, alleine zu entscheiden, wann und wo sie militärisch eingreifen, einschließlich präventiver Schläge gegen vermeintliche Bedrohungen. Trotz wechselnder Administrationen bestimmte sie als Ausdruck einer permanenten Bürokratie die Politik. Was folgte, war die Absage an das System des Westfälischen Friedens durch Blair in seiner Rede in Chicago 1999, abgelöst durch die Politik des "Right2Protect", der "humanitären Interventionskriege", schließlich nach dem 9. September 2001 die unter dem Banner des "Kriegs gegen den Terror" geführten Interventionskriege in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, sowie Farbrevolutionen und Regime- Wechsel, sowie NATO-Ostausweitungen, begleitet von der unilateralen Aufkündigung  aller Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge: ABM, INF, Open Sky, KSE.“ […] Wir müssen rechtzeitig eine neue globale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf die Tagesordnung setzen, die die Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen aller Staaten auf diesem Planeten berücksichtigt. Und dies ist absolut möglich, denn die geopolitische Sichtweise, dass man unbedingt einen Feind braucht, hat längst eine Alternative gefunden. Der Versuch der Errichtung einer unipolaren Weltordnung hat seit geraumer Zeit einen gewaltigen Rückschlag erfahren, denn die Nationen des Globalen Südens waren nach der Erfahrung von 500 Jahren Kolonialzeit keineswegs bereit, sich der unipolaren Weltordnung zu unterwerfen. Die Erfahrung von gegen viele Staaten verhängten unilateralen Sanktionen, die Instrumentalisierung des Dollars als Waffe, die als unfair empfundenen Kredit- und Handelsbedingungen und vieles mehr, all dies trug dazu bei, den Geist von Bandung(4), einem Meilenstein in der Geschichte der Blockfreien Bewegung, zu aktivieren. […]“

„[…] 2024 betrug das BIP 4,31 Billionen Euro. 5% davon sind 215 Milliarden Euro, die innerhalb eines einzigen Jahres für Kriegsrüstung auszugeben sich Deutschland verpflichtet hat. Und das jedes Jahr! 2024 betrug der Staatshaushalt Deutschlands 476,8 Milliarden Euro. Per 31.12. 2024 hatte jedoch Deutschland als Staat (ohne die Schulden der Länder und Gemeinden) eine Schuldenlast in Höhe vom 2,509 Billionen Euro. Mit der weiteren Kreditaufnahme von einer Billion Euro sprang die deutsche Schuldenlast auf 3,509 Billionen, und ein Ende ist nicht abzusehen. Bei einem Zins von nur 5% beträgt der jährlich zu zahlende Zinsbetrag aus den rund 3,5 Billionen-Euro-Krediten 175 Milliarden Euro. Das sind dann - 215 Mrd. für Rüstung plus 175 Zins - insgesamt 390 Milliarden Euro, und dabei sind die Staatspensionen noch gar nicht aufgelistet! […]“

„[…] Schiller sah die Gefahr, dass politische Umwälzungen – wie die Französische Revolution – in Willkür und Gewalt umschlagen, wenn sie nicht von einer geistigen, ethischen Revolution begleitet werden. Er plädierte deshalb im Sinne von Kant und Hegel für eine Erziehung zur Freiheit, zur Rücksicht auf die Freiheit des anderen und zur Überwindung des bloßen Machttriebs im Menschen. Diese Haltung ist heute für Friedensbewegungen von großer Aktualität: Sie fordern nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch eine aktive Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders auf der Basis von Empathie, Gerechtigkeit und Solidarität. Schillers Ideal des „ästhetischen Menschen“ – der Verstand und Gefühl, Freiheit und Verantwortung verbindet – wird als Voraussetzung für einen gewaltfreien Übergang zu einem vernünftigen Staat verstanden. Friedensbewegungen greifen diese Gedanken auf, indem sie für eine Kultur des Dialogs, der gegenseitigen Anerkennung und der Überwindung von Feindbildern eintreten.

Zudem wurde Schiller immer wieder zur Symbolfigur für freiheitliche und menschenrechtliche Bewegungen, weil seine Werke das bürgerliche Selbstbewusstsein stärkten und dem Prinzip der Menschlichkeit eine zentrale Rolle zuwiesen.(23) […]“

„Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf“

Reflexionen zur Konferenz des Schiller-Instituts vom 12./13. Juli 2025

Von Wolfgang Effenberger

25.7.2025

Am 12. und 13. Juli 2025 fand im symbolträchtigen Theater-OST (Berlin-Adlershof) die zweitägige international besetzte, völkerverbindende Konferenz unter dem Thema „Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf – Für ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen!“(1) statt. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Schiller-Institut, dem „Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden“ und der „Akademie Geopolitique de Paris“ mit insgesamt 32 Rednern aus 9 Ländern durchgeführt. Die meisten kamen aus den USA(9), gefolgt von Deutschland(7), Frankreich(4) und Südafrika(3).

Die Veranstaltung gliederte sich in vier Bereiche.(2)

  • Panel I: Zusammenarbeit zwischen den BRICS und Europa zur Umsetzung des Oasenplans und der Agenda 2063 für Afrika
  • Panel 2: Strategische Herausforderungen und die entstehende neue Ordnung aus einer internationalen Perspektive
  • Panel 3: Die wissenschaftlichen Herausforderungen im neuen Paradigma
  • Panel 4: Die Schönheit der Vielfalt der Kulturen und die Rolle der jungen Menschen bei der Gestaltung der nächsten 50 Jahre auf der Erde.

Weiterlesen: https://apolut.net/der-mensch-ist-nicht-des-menschen-wolf-von-wolfgang-effenberger/

PDF: we25.7.2025

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Siehe auch:

Das Internationale Recht und die sogenannte „wertebasierte Ordnung“ der USA

Von Wolfgang Effenberger

Juli 2025

https://wolfgangeffenberger.com/zusatz.php?Lang=de&SeiteID=REDEN&SeiteIDNr=23

PDF: WE7.2025

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Die US-amerikanische Lucius D. Clay-Kaserne in Wiesbaden als Kommandozentrale im Ukraine-Krieg

Von Dr. Daniele Ganser

15.5.2025

https://afsaneyebahar.com/2025/05/16/20703984/

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Die westliche Welt am Scheideweg

Das MAGA „Friedens“-Symbol bröckelt. Seine Wählerbasis, ehemalige Alliierte des Westens und auch die Globale Mehrheit wenden sich ab. Es wäre höchste Zeit für wirklich mutige Entscheidungen.

Von Andreas Mylaeus

25.7.2025

https://afsaneyebahar.com/2025/07/25/20704451/

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Autoritär gestört? Ein Gespräch mit Dr. Andreas Peglau über die aktuelle gesellschaftliche Situation 

10.7.2025

https://afsaneyebahar.com/2025/07/25/20704428/

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Weitere Schriften von Wolfgang Effenberger

https://afsaneyebahar.com/category/wolfgang-effenberger/

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