„Ein kompliziertes Geflecht von schlechten Akteuren, die Hand in Hand arbeiten“ –
Ist der Krieg also unvermeidlich?
Von Alastair Crooke
12.8.2024
Übersetzung von Andreas Mylaeus
Netanjahu wusste die Mäßigung des Iran nicht zu schätzen. Er setzte auf Krieg und machte ihn früher oder später unvermeidlich.
Walter Kirn, ein amerikanischer Romanautor und Kulturkritiker, beschrieb 2009 in seinen Memoiren Lost in the Meritocracy (Verloren in der Meritokratie), wie er nach einem Aufenthalt in Oxford Mitglied der Klasse wurde, „die die Dinge regiert“ – der Klasse, „die die Schlagzeilen und die Geschichten darunter schreibt„. Es war der Bericht eines Mittelschichtskindes aus Minnesota, das verzweifelt versuchte, sich in die Welt der Elite einzufügen, und dann zu seiner Überraschung feststellte, dass er überhaupt nicht dazugehören wollte.
Der heute 61-jährige Kirn hat einen Newsletter auf Substack und ist Mitveranstalter eines lebhaften Podcasts, der sich größtenteils der Kritik am „Establishment-Liberalismus“ widmet. Aufgrund seines konträren Denkens hat er sein Misstrauen gegenüber den Institutionen der Eliten noch deutlicher zum Ausdruck gebracht, wie er 2022 schrieb:
„Seit Jahren ist die Antwort in jeder Situation – ‚Russiagate‘, COVID, Ukraine – mehr Zensur, mehr Schweigen, mehr Spaltung, mehr Sündenbocksuche. Es ist fast so, als wären dies Ziele an sich – und die Kaskade von Notfällen nur ein Vorwand für sie. Hass ist immer der Weg.“
Kirns Politik, so ein Freund, sei „liberal der alten Schule“, und er betonte, dass es die anderen „so genannten Liberalen“ seien, die sich verändert hätten: „Mir wurde im letzten Jahr wiederholt gesagt, dass die Redefreiheit ein Thema der Rechten sei; ich würde [Kirn] nicht als konservativ bezeichnen. Ich würde einfach sagen, er ist ein Freidenker, Nonkonformist, Bilderstürmer“, so der Freund.
Um Kirns konträre Haltung zu verstehen – und um die heutige Form der amerikanischen Politik zu begreifen – muss man einen Schlüsselbegriff kennen. Er findet sich nicht in den üblichen Lehrbüchern, ist aber von zentraler Bedeutung für das neue Spielbuch der Macht: das „Ganze der Gesellschaft„.
„Der Begriff wurde vor etwa einem Jahrzehnt von der Obama-Regierung populär gemacht, der es gefiel, dass ihr fades, technokratisches Erscheinungsbild als Deckmantel für die Errichtung eines Mechanismus für einen ‚gesamtgesellschaftlichen‘ Governance-Ansatz verwendet werden konnte„ – ein Ansatz, der behauptet, dass Akteure – Medien, NGOs, Unternehmen und philanthropische Einrichtungen – mit öffentlichen Beamten interagieren und eine entscheidende Rolle nicht nur bei der Festlegung der öffentlichen Agenda, sondern auch bei der Durchsetzung öffentlicher Entscheidungen spielen.
Weiterlesen: AC12.8.2024
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Siehe auch:
Iran verfeinert seine Abschreckungsstrategie
Von M. K. Bhadrakumar
12.8.2024
Übersetzung von Andreas Mylaeus
https://afsaneyebahar.com/2024/08/12/20701417/
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Der Bundestag will eine Resolution verabschieden, die „jüdisches Leben in Deutschland schützen“ soll – und ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.
Von Michael Barenboim
11.8.2024
https://afsaneyebahar.com/2024/08/12/20701423/
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