„[…] Am 28. Juni berichtet die Financial Times, dass durch israelische Bombardierungen, auch mit weißem Phosphor, wodurch die Felder auf Jahre unfruchtbar werden, ein Bereich von ca. 5 km innerhalb des Libanon unbewohnbar wurde. Die UN habe berichtet, dass mehr als 95.000 Menschen als Binnenflüchtlinge das Gebiet verlassen mussten, dass die israelischen Angriffe 90 Zivilisten und angeblich 300 Hisbollah-Kämpfer töteten. Das seien heute schon mehr Opfer als während des Krieges von 2006. Trotzdem weigert sich die Hisbollah beharrlich, den Bereich aufzugeben. Was verständlich ist, da es nicht nur Libanon, sondern „Hisbollah-Land“ ist. Es sei, als ob man einem Fisch verbieten würde, im Wasser zu schwimmen, habe ein Kämpfer erklärt.
Die logische Folge dieses zunehmenden Drucks ist, dass die Hisbollah das Gleiche mit dem Norden Israels erreichen will. Und durch immer mehr Brände und Angriffe gibt es zumindest vorübergehend eine ähnliche Situation.
Am gleichen Tag hört man, dass die USA eine große Lieferung von 500-Pfund-Bomben nach Israel schicken, eine Lieferung, die zuletzt verzögert worden war. MintPress stellt fest, dass die Entscheidung mit dem geplanten israelischen Krieg gegen den Libanon zusammenfalle. […]“
„[…] Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen (UN) zum Recht auf Gesundheit, Tlaleng Mofokeng, erklärte am 28. Juni: „Wenn eine Gruppe von Menschen buchstäblich ausgerottet wurde, was gibt es sonst noch, um es als Völkermord zu bezeichnen?“ Der Middle East Monitor (10) berichtet, dass Mofokeng in einer Erklärung, die von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Rande ihrer Teilnahme an der 56. Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf veröffentlicht wurde, hinzufügte: „Wir wissen, dass die Menschen versuchen zu überleben, aber das ist wirklich alles, was sie tun können“. Es gebe keine Nahrung, kein sauberes Trinkwasser und keine sichere Unterkunft. Mehr in Anhang(19).
Es sei wichtig, auf globaler Ebene darüber zu diskutieren und das Vorgehen Israels als „Völkermord“ anzuerkennen, damit die Täter vor internationalen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden können.
Die offiziellen Opferzahlen der UNO für Gaza Ende Juni waren 37.765 Tote und 86.429 Verletzte. Nicht gerechnet die Menschen, welche unter schwerem Trauma leiden, und den unter den zerstörten Häusern vermissten Menschen. So dass man durchaus von mehr als 100.000 Todesopfern und mehreren hunderttausend lebenslang behinderten Menschen ausgehen muss. Darüber hinaus wurden ca. 1,7 Millionen Menschen vertrieben. […]“
„[…] Derweil fordert einer der wichtigsten Minister im Kabinett Netanjahu, der Minister für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir, die Gefangenen in israelischen Gefängnissen durch Kopfschuss hinzurichten.
„Ben-Gvir löste mit seinen jüngsten Aussagen über palästinensische Gefangene Kontroversen aus, als er in einem gestern veröffentlichten Video sagte: ‚Gefangenen sollten in den Kopf geschossen werden, anstatt mehr Essen zu bekommen.‘ Der Minister ging auf die Frage der Haftbedingungen ein und erklärte: ‚Es ist bedauerlich, dass ich mich in den letzten Tagen mit der Frage befassen musste, ob palästinensische Gefangene Obstkörbe erhalten sollten.‘ Er betonte seine Unterstützung für einen Gesetzentwurf seiner rechtsgerichteten Otzma-Yehudit-Partei, der die Hinrichtung palästinensischer Gefangener fordert, und erklärte: ‚Sie sollten durch einen Schuss in den Kopf getötet werden, und der Gesetzentwurf zur Hinrichtung palästinensischer Gefangener muss in der dritten Lesung in der Knesset verabschiedet werden. Bis dahin werden wir ihnen nur das Nötigste zum Überleben geben. Das ist mir egal‘, fügte Ben-Gvir hinzu.“(11) […]“
Israels zweite Front gegen den Libanon
Von Jochen Mitschka
4.7.2024
Am 28. Juni musste man feststellen: Seit dem 8. Oktober 2023, dem Beginn des Völkermordes in Gaza, gab es 6.142 Angriffe auf den Libanon mit 564 Toten und 1.258 Angriffe auf Israel mit 21 Toten(1). An der Grenze zum Libanon war eine kleine Armee aufgefahren, die scheinbar nervös an der Grenze hin und her fuhr, als warte sie nur noch auf den Angriffsbefehl. Im Ukraine-Konflikt wird immer betont, dass die Ukraine ja das Recht habe, ihr eigenes Gebiet zu bombardieren, obwohl sich dieses in einer Sezession abgespalten hatte, und mit großer Mehrheit die Zugehörigkeit zur Russischen Föderation erklärt hatte. In Palästina wird dagegen von deutschen Medien der Eindruck erweckt, dass „Israel“ von der Hisbollah bombardiert würde, obwohl die Mehrzahl der Angriffe gegen illegale israelische Siedlungen auf besetztem Gebiet Palästinas stattfand, in Regionen, in denen sicher auch keine Referenden der ursprünglichen Einwohner durchgeführt wurden, mit denen sie sich zu Israel hätten bekennen können. Weshalb es eben oft nicht Israel war, sondern besetztes Palästina, das angegriffen wurde.
Weiterlesen: https://apolut.net/israels-zweite-front-gegen-den-libanon-von-jochen-mitschka/
PDF: https://apolut.net/israels-zweite-front-gegen-den-libanon-von-jochen-mitschka//?print-posts=pdf
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Siehe auch:
Freiheit? Frieden?
Von Kriegern und Kriegsgewinnern
Von Michael Lüders
4.7.2024
https://www.youtube.com/watch?v=mwB-z5JY4RA
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Dr. Daniele Ganser: ICC-Haftbefehl gehen Benjamin Netanjahu?
Aufzeichnung: Ende Mai 2024
Veröffentlichung: 22.6.2024
https://afsaneyebahar.com/2024/06/25/20700536/
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«Von der Levante bis zur Persischen Golfregion»
Ein besonders sehenswerter Vortrag von Karin Leukefeld
24.5.2024
https://afsaneyebahar.com/2024/05/29/20700243/
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