«Nur eine Verhandlungslösung wird im ganzen Nahen Osten Entspannung und Frieden bringen». Ein Interview mit Karin Leukefeld

«Nur eine Verhandlungslösung wird im ganzen Nahen Osten Entspannung und Frieden bringen»

Thomas Kaiser im Gespräch mit Karin Leukefeld (freie Journalistin und Nahost-Expertin)

veröffentlicht am 27.3.2024

Zeitgeschehen im Fokus; Ausgabe Nr. 5 / 2024

Zeitgeschehen im Fokus Der Fokus unserer Medien liegt vor allem auf dem Süden des Gaza-Streifens und dem bevorstehenden Angriff auf Rafah. Der Norden ist aus deren Blickfeld verschwunden. Um so mehr interessiert es, was mit den Menschen dort geschieht. Es lebt immerhin noch eine grosse Anzahl dort.

Karin Leukefeld Wenn man etwas über die Lage erfahren möchte, dann kann man das vor allem durch die Berichte von Uno-Organisationen wie dem Uno-Nothilfeprogramm, dem Welternährungsprogramm (WFP), dem Palästinenserhilfswerk UNRWA, der WHO, die noch immer versuchen, dort aktiv zu sein. Nach ihren Angaben gibt es zwischen drei- bis fünfhunderttausend Menschen, die noch im Norden des Gaza-Streifens leben. Das WFP spricht von einer halben Million Menschen. Dazu muss man wissen, dass das WFP seine Hilfslieferungen in den Norden von Gaza eingestellt hat.

Warum vollzieht man solch einen Schritt in der ausweglosen Situation der Menschen?

Der konkrete Auslöser war, dass ein LKW mit Hilfsgütern vom Meer aus mit Raketen beschossen worden war. Damit wären die Transporte einem hohen Risiko ausgesetzt, wenn sie weiterhin Güter in diese Region brächten. Die Strassen sind durch die Bombardierungen zerstört. Die Kommunikation ist schwierig, weil Israel zeitweise die Internet- und Telefonverbindungen abstellt. Durch die israelischen Angriffe auf die Verteilstrukturen der Uno findet die Verteilung von Nahrungsmitteln kaum noch in geordneten Bahnen statt. Die Menschen sind unglaublich wütend und verzweifelt. Sie haben versucht, die LKWs mit Hilfsgütern zu plündern. Da Israel keine Sicherheit garantieren will oder kann, stellte das WFP Ende Februar die Hilfslieferungen ein. Am 5. März bekam das Welternährungsprogramm erneut die Genehmigung, wieder mit einem Konvoi von 14 LKWs in den Norden von Gaza fahren zu können.

Ist das nicht aufgrund des grossen Mangels ein Tropfen auf den heissen Stein … ?

Das auf alle Fälle. Von der Menge her nicht der Rede wert. Mehr war ihnen nicht zugesagt worden. Die israelische Armee liess den Konvoi an einem Check-Point südlich von Gaza-Stadt drei Stunden warten und schickte die LKWs wieder zurück. An diesem Beispiel sieht man, wie schwierig es für die Uno-Organisationen ist, die Menschen dort noch zu unterstützen.

Weiterlesen:

https://www.zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-5-vom-27-maerz-2024.html#article_1655

PDF: KL27.3.2024

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Siehe auch:

"If I must die" kantata en Esperanto

La lasta poemo de Refaat Alareer (1979-2023) kantata en Esperanto.

The last poem by Refaat Alareer sung in Esperanto.

The background image is a hypothetical scene and has been artificially generated.

Von Krysztof Daletski

März 2024

Das Lied ist eine Übersetzung und Vertonung des Gedichtes "If I must die" von Refaat Alareer. Refaat Alareer war ein Dichter und Literaturprofesser in Gaza, wo er junge Dichter ermuntert hat, ihre Geschichten auf Englisch aufzuschreiben, um die Mauer des Verschweigens und Ignorierens in der westlichen Welt zu überwinden. Daraus ist u.a. der Sammelband "Gaza writes back" entstanden. Kurz vor seinem Tod hatte er das Gedicht "If I must die" mit seinem Twitter-Account verknüpft und am 06.12.2023 wurde er zusammen mit weiteren Familienangehörigen durch einen Luftangriff der israelischen Armee getötet.

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Deutschland 2024 – Repression und Willkür: Berliner Sparkasse sperrt „Jüdischer Stimme“ das Konto

Erneut ist es in Deutschland zu einem Fall von politisch motivierter Kontosperrung gegen eine politisch nicht genehme Vereinigung gekommen. Ausgerechnet einem jüdischen Verein, der sich für Frieden und Gerechtigkeit in Nahost einsetzt, hat nun die Berliner Sparkasse das Konto gesperrt.

Von RT

27.3.2024

https://freede.tech/gesellschaft/200805-deutschland-2024-repression-und-willkuer/

PDF: JS27.3.2024

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UN-Sonderberichterstatterin sieht „berechtigte Gründe“ für Völkermord in Gaza

Das israelische Vorgehen zeige „Muster der Gewalt“, schrieb die UN-Expertin in einem Bericht mit dem Titel „Anatomie eines Völkermordes“. Militär und Regierung verstießen bewusst gegen das Kriegsrecht „in dem Versuch, die völkermörderische Gewalt gegen das palästinensische Volk zu legitimieren“.

27.3.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/03/28/20699020/

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Resolution des UN-Sicherheitsrats zum Waffenstillstand in Gaza

Von Thomas Röper

26.3.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/03/26/20698963/

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Gaza: Baerbock und das Wenden eines Tankers

Auch wenn Zweifel angebracht sind: Es könnte sich gerade durchaus so etwas wie eine Kursänderung in der deutschen Israel-Politik anbahnen. Aber neben den Zweifeln gibt es noch mehr Grund zu Bedenken – selbst wenn das Bemühen ehrlich wäre, könnte es scheitern.

Von Dagmar Henn

27.3.2024

https://gegenzensur.rtde.world/meinung/200792-gaza-baerbock-und-wenden-tankers/

PDF: DH27.3.2024

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Professor Norman Finkelstein and Chris Hedges speaking at Princeton University on the Gaza Genocide.

This is the full video of the event I did on March 21 at Princeton University with Professor Finkelstein on the genocide in Gaza. The live stream feed was cut, apparently by Zionists in the hall.

https://chrishedges.substack.com/p/professor-norman-finkelstein-and

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Was geschieht

Von Erich Fried (6.5.1921 - 22.11.1988)


Es ist geschehen
und es geschieht nach wie vor
und wird weiter geschehen
wenn nichts dagegen geschieht.

Die Unschuldigen wissen von nichts,
weil sie zu unschuldig sind
und die Schuldigen wissen von nichts,
weil sie zu schuldig sind.

Die Armen merken es nicht,
weil sie zu arm sind
und die Reichen merken es nicht,
weil sie zu reich sind.

Die dummen zucken die Achseln,
weil sie zu dumm sind
und die Klugen zucken die Achseln,
weil sie zu klug sind.

Die Jungen kümmert es nicht,
weil sie zu jung sind,
und die Alten kümmert es nicht,
weil sie zu alt sind.

Darum geschieht nichts dagegen
und darum ist nichts geschehen
und geschieht nach wie vor
und wird weiter geschehen.


https://www.palaestina-portal.eu/texte/erich_fried.htm