„Ich glaube, dass die Erkenntnis der Wahrheit nicht in erster Linie eine Sache der Intelligenz, sondern des Charakters ist. Dabei ist das Wichtigste, dass man den Mut hat, nein zu sagen und den Befehlen der Machthaber und der öffentlichen Meinung den Gehorsam zu verweigern: dass man nicht länger schläft, sondern menschlich wird: dass man aufwacht und das Gefühl der Hilfslosigkeit und Sinnlosigkeit verliert“ Erich Fromm
Apathie und Schockstarre – Warum bleiben die Ängste vor einer Ausweitung des Krieges stumm und folgenlos?
Von Leo Ensel
14.3.2024
Eine deutliche Mehrheit der Bürger fürchtet einer Umfrage zufolge eine Ausweitung des Kriegs in der Ukraine auf europäisches NATO-Gebiet. Warum wird das hingenommen, als handele es sich um ein unabwendbares Naturereignis?
„Vielleicht wird es der späte Historiker noch rätselhafter finden als wir Zeitgenossen, dass, obwohl allmählich fast jedes Kind wusste, dass man vor Kriegen stand, die auch für den Sieger das entsetzlichste Leiden mit sich brachten, dennoch die Massen nicht etwa mit verzweifelter Energie alles unternahmen, um die Katastrophe abzuwenden, sondern auch noch ihre Vorbereitung durch Rüstungen, militärische Erziehung usw. ruhig geschehen ließen, ja sogar unterstützten.“
Mit diesen Worten von Erich Fromm hatte ich vor genau 40 Jahren ein Buch über Angst – genauer: Nicht-Angst – und atomare Aufrüstung eingeleitet, das im Mai 1984 erschien. Fromm hatte diese Sätze am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, 1937, in seinem Aufsatz „Über die Ohnmacht“ formuliert; das Zitat war damals also bereits 47 Jahre alt.
Weiterlesen:
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Siehe auch:
Die Mehrzahl lebt ihr unterjochtes Dasein unbewusst… Wilhelm Reichs Weiterführung der „Massenpsychologie des Faschismus“ im Jahr 1934
Von Andreas Peglau
15.2.2024
https://afsaneyebahar.com/2024/02/17/20698146/
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Sind wir geborene Krieger? Zu psychosozialen Voraussetzungen von Friedfertigkeit und Destruktivität
Vortrag, gehalten am 30.6.2023 innerhalb der Vorlesungsreihe „Psychologische Anthropologie: Militarismus und Krieg“ an der Universität zu Köln.
(bearbeitetes Manuskript)
Von Andreas Peglau
https://afsaneyebahar.com/2023/07/02/20695936/
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Gefühlsstau führt zu Feindbildern
Ein Gespräch von Dr. Daniele Ganser mit Dr. Hans-Joachim Maaz
Aufgezeichnet am 18.11.2023 in Erfurt
Veröffentlicht am 11.2.2024
https://afsaneyebahar.com/2024/02/14/20698114/
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Ein Leben für Frieden, Versöhnung und Wahrhaftigkeit
Eine Hommage an den Israeli Reuven Moskovitz (1928-2017)
Von Wolfgang Effenberger
16.11.2023
https://afsaneyebahar.com/2023/11/16/20697349/
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Nur durch Frieden bewahren wir uns selber
Die Bergpredigt als Zeitenwende
Von Eugen Drewermann
https://afsaneyebahar.com/2023/10/31/20697044/
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Der Mensch im Lichte der modernen Psychologie
Seit dem 15. Jahrhundert hat sich im europäischen Leben und Denken eine entscheidende Wandlung angebahnt.
von Polybios* – BEFREIUNG, Zeitschrift für kritisches Denken, 2. Jahrgang Nr. 8, 1. August 1954
*Polybios ist ein Pseudonym eines Psychologen aus der Wiener Schule Alfred Adlers
16.8.2023
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Friedensfähigkeit und Kriegslust
Von Hans-Joachim Maaz
Erste Auflage 2023, Verlag Frank & Timme, Berlin
ISBN: 978-3-7329-0972-8
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[…] Und das ist natürlich auch eine Zeitbombe. Auch wenn der Wahlkampf vorüber ist, wenn es zum politischen Alltag übergeht, muß man immer noch Gegner haben, Feinde, um sich von der inneren Not abzulenken. Da wird es auch sehr bald wieder neue Ideologien geben, weshalb es richtig ist, gegen dieses oder jenes zu sein, oder weshalb diese oder jene Menschen die Bösewichter sind – was sich schon andeutet, mit Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus oder auch Haß gegen Rechtsradikale. Das sind die neuen Sündenböcke. Die Feindseligkeit, die man in sich trägt aufgrund der Kränkung, die man erfahren hat, die muß ja wieder irgendein Objekt, irgendein Opfer finden. Es ist eine Gesetzmäßigkeit: Wenn man nicht seinen inneren Schmerz durch Trauerarbeit auf sich nimmt, muß man irgendwie nach außen in den Krieg ziehen, gegen irgendjemand oder irgendetwas, nur um der Aggressivität, die in einem gestaut ist, ein Ventil, eine Erklärung zu geben. […] […] Es ist so grotesk, daß man es gar nicht fassen kann. Man muß nur mal die Frage stellen: Ja, gegen wen brauchen wir denn im Moment eine Armee? Die alten Feindbilder stimmen nicht mehr – aber die Armee ist da. Es muß also nahezu ein neuer Feind geschaffen werden. Wir können darauf warten, daß regelrecht Konflikte geschürt werden, damit die Armeen und die Rüstung wieder einen Grund haben können, bestehen bleiben zu dürfen. Also, das ist so grotesk und so absurd, daß es einem übel werden kann, wenn man das bedenkt und letztlich gar nichts dagegen unternehmen kann. […] […] Man wird abwarten müssen, wie die politische Entwicklung weitergeht. Ich halte es nicht für ganz ausgeschlossen, daß es wieder Zeiten geben kann, wo die Behandlung solcher Themen verboten wird. Daß wir dann wieder nicht öffentlich danach fragen können: Was treibt denn Menschen heute zur Macht? Sind das nur edle Motive, oder sind das vielleicht auch Ablenkungsmanöver von innerer Not? […] Unsere ,,Unfähigkeit zu trauern“. Hans-Joachim Maaz, am 16. 3. 1990 – zwei Tage vor der „ersten freie Wahl“ in der DDR – befragt von Andreas Peglau Dazu, warum die DDR-Bevölkerung nach dem Ausbruch aus einem autoritären System umgehend nach neuartigen Möglichkeiten suchte, sich unterzuordnen. Und warum die Trauer über den Ausverkauf der DDR ausblieb. https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/unsere-unfaehigkeit-zu-trauern/
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Die Röte des Himmels (16.3.2024) https://afsaneyebahar.com/2024/03/16/20698869/ Früh stehe ich fröhlich auf verlasse erwartungsvoll das Haus um mit den Vögeln zu singen die Tauperlen auf den Blättern zu küssen die belebende Brise zu begrüßen und die Morgenröte zu genießen Denn ich bin mir besonders bewusst dass in diesen bedrückenden Zeiten des staatlich geförderten Kriegsgeschreis die Röte des Himmels nicht nur von der Sonne kommen kann ֎֎֎