Die Mehrzahl lebt ihr unterjochtes Dasein unbewusst… Wilhelm Reichs Weiterführung der „Massenpsychologie des Faschismus“ im Jahr 1934
Von Andreas Peglau
15.2.2024
1933 war der aus Deutschland geflüchtete Wilhelm Reich aus den kommunistischen und den psychoanalytischen Organisationen ausgeschlossen worden und hatte im dänischen Exil die Massenpsychologie des Faschismus[1] veröffentlicht. 1934 begann er mit der Herausgabe der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie.[2] Dort erschien auch sein, unter dem Pseudonym „Ernst Parell“ verfasster Aufsatz „Was ist Klassenbewusstsein?“, den er zusätzlich als 72-seitige Broschüre drucken ließ.[3]
Anknüpfend an die Massenpsychologie wollte Reich hier, so der Untertitel, einen „Beitrag zur Neuformierung der Arbeiterbewegung“ leisten – welche nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und Zerschlagung der „linken“ Organisationen in Deutschland zwingend nötig geworden war. Dazu müssten, meinte Reich, jene Fehler der „Linken“ analysiert werden, die diese Machtübernahme begünstigt hatten. Neben dem Torpedieren einer antifaschistischen Einheitsfront stellte er insbesondere das anhaltende „Unverständnis vieler Wirtschaftspolitiker für psychologische Fragestellungen überhaupt“ [4] in den Vordergrund:
„Ein Stück der gemeinsamen Grundursache des Versagens des Sozialismus in allen seinen Teilen, ein Stück zwar bloss, aber ein wesentliches, nicht mehr zu übersehendes, nicht mehr als zweitrangig zu betrachtendes, ist der Mangel einer brauchbaren marxistischen politischen Psychologie. Dieser Mangel drückt sich nicht nur darin aus, dass eine derartige Psychologie erst erarbeitet werden muss, sondern auch darin, dass in der Arbeiterbewegung eine grosse Scheu vor psychologischer Betrachtung und Anschauung, vor bewusster praktischer Psychologie besteht. Dieser Mangel auf unserer Seite wurde zum grössten Vorteil des Klassenfeindes, wurde die mächtigste Waffe des Faschismus. Während wir den Massen grossartige historische Analysen und ökonomische Auseinandersetzungen über die imperialistischen Gegensätze vorlegten, entbrannten sie für Hitler aus tiefsten Gefühlsquellen.“[5]
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