Der BRICS-Gipfel in Johannesburg – Strategischer Wendepunkt?
Von Wolfgang Effenberger
7.9.2023
Vom 22. bis 24. August 2023 waren in Sandton, Südafrika, zum XV. BRICS-Gipfel die Staats- und Regierungschefs der Föderativen Republik Brasilien, der Russischen Föderation, der Republik Indien, der Volksrepublik China und der Republik Südafrika zusammen gekommen. Thema: “BRICS und Afrika: Partnerschaft für gegenseitiges beschleunigtes Wachstum, nachhaltige Entwicklung und integrativen Multilateralismus”. Vorsitz: Südafrika.(1)
Neben 34 Ländern hatten der Generalsekretär der Vereinten Nationen, der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union sowie die Vorsitzenden und Geschäftsführer der regionalen Wirtschaftsgemeinschaften Afrikas ihre Teilnahme am Treffen zugesagt.
Anwesend war auch Dilma Rousseff, die Vorsitzende der New Development Bank. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Politikerin war selbst ab 1. Januar 2011 Präsidentin von Brasilien, wurde 2016 durch einen parlamentarischen Staatsstreich gestürzt und im März 2023 auf Vorschlag des erneuten brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva zur Leiterin der Entwicklungsbank der BRICS-Gruppe ernannt. In der ersten Amtszeit Lulas war Rousseff Energieministerin, später Kabinettschefin.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Interesse an einer Teilnahme am BRICS-Gipfel bekundet, jedoch keine Einladung erhalten. Ehemalige Kolonialherren und westliche Industriemächte seien nicht erwünscht, hieß es vom südafrikanischen Gastgeber.(2)
Parallel zum Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im BRICS-Format fanden der “BRICS-Plus-Dialog” (Lateinamerika, Bolivien, Kuba und Venezuela) sowie der “BRICS-Africa-Outreach” statt. Diese Veranstaltungen bezogen Nationen aus dem Globalen Süden und dem afrikanischen Kontinent ein. In diesen Gremien wurden Ideen
“zur Stärkung von Partnerschaften von beiderseitigem Nutzen für Wachstum, Entwicklung, Frieden und integrativen Multilateralismus in einer multipolaren Welt”
entwickelt und ausgetauscht. Insgesamt haben am BRICS-Gipfel in Johannesburg mehr als 1.500 Personen teilgenommen. Es soll vor allem über Investitionsanreize, die Zusammenarbeit zwischen Südafrika, afrikanischen Ländern und BRICS-Mitgliedern sowie über die Stärkung des Multilateralismus diskutiert worden sein. Auch den Themen „Ent-Dollarisierung des internationalen Finanzsystems“ sowie der „Aufnahme neuer Mitglieder“ wurde viel Zeit eingeräumt.(3) Nach Meinung des russischen Außenministers Sergej Lawrow sollten gleichgesinnte Länder aufgenommen werden,
„die an eine multipolare Weltordnung und an die Notwendigkeit von mehr Demokratie und Gerechtigkeit in den internationalen Beziehungen glauben: Wir brauchen diejenigen, die sich für eine größere Rolle des globalen Südens in der Weltordnungspolitik einsetzen!“.(4)
Weiterlesen: https://apolut.net/der-brics-gipfel-in-johannesburg-strategischer-wendepunkt-von-wolfgang-effenberger/
oder: WE7.9.2023
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Weitere Schriften von Wolfgang Effenberger:
https://afsaneyebahar.com/category/wolfgang-effenberger/
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Siehe auch:
Danny Haiphong: Pepe Escobar and Michael Hudson Join on BRICS Plus Six, Ukraine, and the Multipolar World Economy!
By Yves Smith
August 28, 2023
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Was haben Prigoschin, Wagner und die Revolutionen in Afrika miteinander zu tun?
Von Dr. Peter F. Mayer
4.9.2023
Der frühere Chef der Private Military Company (PMC) Wagner ist bekanntlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Um sein Leben und erst recht um seinen Tod ranken sich viele Gerüchte. Zu wenig beachtet wird jedoch das, was sozusagen im Schatten dieser Ereignisse in Afrika vor sich gegangen ist.
Dazu gibt es auf dem Blog Black Mountain Analysis eine sehr interessante Analyse, die ich mit der freundlichen Genehmigung des serbischen Autors Aleks hier auszugsweise wiedergebe. Der Blog zeichnet sich durch sehr tiefschürfende Analysen aus.
https://afsaneyebahar.com/2023/09/07/20696609/
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BRICS: Nachschau und das Powerdreieck Russland-Indien-China
Von Jochen Mitschka
7.9.2023
Fazit: Russland, China und Indien wissen sehr wohl, dass sie einem immer noch sehr mächtigen Feind die Stirne bieten, und sich durch interne Streitigkeiten keine Blößen geben dürfen. Und dies ist auch der Treiber hinter den nun immer schneller realisiert werdenden Beitritten zu BRICS+. Aber natürlich hat BRICS+ noch längst nicht die Reife in den politischen Vorgängen, wie die EU oder die G7. Der gemeinsame Gegner, das imperiale System, ist das hauptsächlich verbindende Band. Wenn sich die EU von den USA lösen würde, und die ehemaligen Kolonialstaaten endlich ihre überhebliche Zeigefinder- und Sanktionspolitik aufgeben würden, könnte die Teilnahme an BRICS oder VOGS sofort wieder weniger wichtig für die Länder Afrikas werden. Leider, leider verstehen das unsere Politiker wohl nicht.
https://apolut.net/brics-nachschau-und-das-powerdreieck-russland-indien-china-von-jochen-mitschka/
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Die BRICS-Staaten und das World Economic Forum
Von Ernst Wolff
4.9.2023
Angesichts der Euphorie, die auch von zahlreichen alternativen Medien mitgetragen wurde, hier ein Blick auf einige Zusammenhänge, die der Weltöffentlichkeit weniger bekannt sein dürften.
https://apolut.net/die-brics-staaten-und-das-world-economic-forum-von-ernst-wolff/
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Sorgen die BRICS dafür, dass die USA sich nicht verschulden können?
Von Jens Berger
4.9.2023
Immer häufiger erreichen uns Mails von Lesern, die uns Artikel in einschlägigen Finanzblogs – oft aus dem Krypto-Umfeld – hinweisen, in denen behauptet wird, dass einzelne BRICS-Staaten zum „Finanz-Angriff“ auf die USA geblasen hätten. So würden beispielsweise China und Saudi-Arabien die von ihnen in US-Dollar gehaltenen US-Staatsanleihen dramatisch abbauen. Schon bald drohe der Kollaps der US-Staatsverschuldung und die USA könnten keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Meldungen dieser Art sind jedoch nicht neu und entbehren jeglicher finanzökonomischen Grundlage.
https://www.nachdenkseiten.de/?p=103309
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